Grenzenlos - Zeitreisen und Grenzgänge III

Geschichte wird lebendig – Studierende präsentieren Forschungsergebnisse zur deutsch-niederländischen Grenze

Abschlussveranstaltung des Praxisseminars „Grenzenlos“ am 16. September 2026 in der Villa van Delden  mit History Slams und spannenden Einblicken in die Geschichte des Westmünsterlandes.

Die deutsch-niederländische Grenze: Was heute selbstverständlich erscheint, war in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Konflikten, Kontrollen und politischen Entscheidungen – aber ebenso von Begegnungen, Austausch und grenzüberschreitendem Alltag. Einblicke in die verschiedenen Facetten einer Grenzregion geben Studierende der Universität Münster bei der Abschlussveranstaltung des Praxisseminars „Grenzenlos. Die deutsch-niederländische Grenze als Kontakt- und Konfliktzone am 16. September 2026 in der Villa van Delden in Ahaus. In unterschiedlichen Präsentationsformaten – darunter History Slams – stellen sie ihre Forschungsergebnisse vor und nehmen das Publikum mit auf eine historische Spurensuche durch das Westmünsterland.

Von der historischen Quelle zur eigenen Forschung

In den vergangenen Monaten haben sich die Studierenden intensiv mit der Geschichte der deutsch-niederländischen Grenzregion auseinandergesetzt. Unterstützt wurden sie dabei von der Universität Münster, dem Stadtarchiv Ahaus, dem Stadtarchiv Stadtlohn, dem Gemeindearchiv Südlohn sowie dem Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande e. V. Im Mittelpunkt des Praxisseminars stand das forschende Lernen: Statt Geschichte ausschließlich aus Lehrbüchern kennenzulernen, arbeiteten die Studierenden unmittelbar mit historischen Quellen. Sie untersuchten Akten, Karten, Pläne, Zeitungen und Fotografien und entwickelten daraus eigene Fragestellungen. Die Ergebnisse dieser individuellen Forschungsprojekte werden bei der Abschlussveranstaltung erstmals einem interessierten Publikum präsentiert.

Grenzen, die Menschen verbinden und trennen

Dabei wird deutlich: Die Grenze ist weit mehr als eine Linie zwischen zwei Staaten. Im Seminar untersuchten die Studierenden unterschiedliche Formen von Grenzen – von der heutigen Staatsgrenze und historischen Territorialgrenzen bis hin zu Sprach-, Kultur- und Konfessionsgrenzen. Die Forschungsthemen zeigen, wie vielfältig die Geschichte der Grenzregion ist. Sie beschäftigen sich unter anderem mit der Missionsstation in Oeding, der Grenzsicherung im Amt Ammeloe während des Ersten Weltkriegs, der Abschiebung Staatenloser im Raum Südlohn, Stadtlohn und Vreden sowie den Auswirkungen der Flutkatastrophe von 1953 auf das Grenzgebiet und den unterschiedlichen Folgen der deutschen und niederländischen Drogenpolitik in den 1980er Jahren.

Geschichte vor Ort erleben

Auch die Region selbst wurde zum Forschungsort. Bei einer Exkursion nach Vreden und Oeding suchten die Studierenden historische Spuren unmittelbar im Gelände. Sie erkundeten natürliche Grenzen wie Venn und Flüsse, entdeckten historische Grenzsteine und beschäftigten sich mit den früheren Einrichtungen des Zolls. Das ehemalige Zollamt Gaxel und historische Zollhäuser in Oeding wurden dabei ebenso zu Stationen der Spurensuche wie die sichtbaren und weniger sichtbaren Spuren des Schmuggels. Diese Erfahrungen fließen in die Abschlusspräsentationen ein. Das Publikum darf sich daher nicht nur auf historische Fakten freuen, sondern auch auf Geschichten, Entdeckungen und überraschende Perspektiven auf die eigene Region.

Forschungsergebnisse einmal anders: History Slams

Besonders spannend wird die Veranstaltung u.a. durch History Slams und Quellenlesungen, mit denen einige Studierende ihre Forschungsergebnisse präsentieren. In kurzer, pointierter und unterhaltsamer Form bringen sie historische Themen auf die Bühne und zeigen, dass wissenschaftliches Arbeiten und lebendige Vermittlung kein Widerspruch sein müssen. Die Abschlussveranstaltung bietet damit einen besonderen Einblick in die Arbeit des Praxisseminars – und zugleich die Gelegenheit, das Westmünsterland als deutsch-niederländische Grenzregion aus neuen Blickwinkeln kennenzulernen. Am 16. September 2026 um 18:00 Uhr heißt es deshalb: Gehen Sie mit auf historische Spurensuche und entdecken Sie die Grenze neu!

Linda Busch, Lena Krull, Leonie Rosing, Volker Tschuschke

Einladungslink

ZEITREISEN UND GRENZGÄNGE II

In den ersten Sitzungen ging es zunächst darum, sich einmal grundsätzlich mit Grenzen und den damit verbundenen verschiedenen Aspekten zu befassen und in den verschiedenen beteiligten Archiven einschlägige Dokumente zu recherchieren. Mit Hilfe der Archivalien gingen die Studierenden dann auf eine Zeitreise, und angesichts der teilweise sehr ‚individuellen‘ historischen Handschriften war manche Etappe eine echte Herausforderung. Dazu wurden alte Karten, Pläne und Fotos – u.a. aus den Beständen unseres Vereins – ausgewertet. Damit konnten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein eigenes Thema eingrenzen, mit dem sie sich in den folgenden Stunden intensiv beschäftigt haben. Das Spektrum der Forschungsfelder reicht dabei von der Missionsstation in Oeding über die Grenzsicherung im Amt Ammeloe während des Ersten Weltkriegs (Abb. 1) und die Abschiebung Staatenloser im Raum Südlohn-Stadtlohn-Vreden bis hin zur Organisation von Hilfsmaßnahmen für die Opfer der Watersnoodramp, der Flutkatastrophe 1953, in Vreden und Ahaus und den gerade im Grenzgebiet spürbaren Folgen der völlig verschiedenen Drogenpolitik in Deutschland und den Niederlanden in den 1980er Jahren. Um die Theorie in die Praxis umzusetzen und die Gegend, zu der sie forschen, kennen zu lernen, verließen die aus verschiedenen Regionen im In- und Ausland kommenden Studierenden neulich die ‚heiligen Hallen‘ der Alma Mater in Münster zu einer Exkursion ins Grenzland. In der Dauerausstellung des kult Westmünsterland in Vreden erhielten sie einen einführenden Überblick über unterschiedliche Aspekte, die ihnen im Laufe des Tages an verschiedenen Stellen begegnen würden: Das waren etwa Landschaftselemente wie Venne und Flüsse, die einerseits natürliche Grenzen waren, andererseits aber auch – Stichwort: Berkelschifffahrt – Verbindungswege sein konnten. Selbstverständlich ging es hier auch um Zoll und Schmuggel, und der Altarschrank aus der von den Zwillbrocker Minoritenpatres betreuten Missionsstation in Rietmolen stand für Grenzen als Konfessionsmarker (Abb. 2). Nach dem Mittagessen wurden die Zeitreisenden dann im wahrsten Sinne des Wortes zu Grenzgängern und Grenzgängerinnen, die unter ortskundiger Führung des Heimatvereins im Fürstenbusch historische Grenzsteine aufsuchten und das frühere Zollamt Gaxel in Augenschein nahmen (Abb. 3).  Anschließend ging es über die Grenze und Winterswijk nach Oeding. Dort wies Leonie Rosing auf die ganz anders als in Gaxel aussehenden Zollhäuser hin und stellte kenntnisreich die wertvolle historische Bibliothek der von den Vredener Observantenpatres versorgten Missionsstation Oeding und die Probleme ihrer Erhaltung vor; ausgewählte Stücke konnten dabei genauer begutachtet werden. Den passenden Schlusspunkt setzte dann der Stopp am Bildstock bei Schmittmann-Oldenkock zwischen Oeding und Südlohn. Das Bild zeigt das letzte Abendmahl und die Inschrift verteidigt die katholische Sakramentenlehre gegen die Anschauungen der Calvinisten und Mennoniten in der Freiheit Oeding und dem benachbarten Winterswijk; in Stein gehauene Kontroverstheologie also (Abb. 4). Bereichert um viele vertiefende Eindrücke kehrten die Teilnehmenden der vom schönen Wetter begünstigten Exkursion schließlich nach Münster zurück. In den folgenden Wochen steht für die Studierenden die Ausarbeitung ihrer Präsentationen an. Die ersten Gedanken, die sie sich für die Vorstellung ihrer Forschungsergebnisse gemacht haben, sind schon sehr vielversprechend und machen neugierig. Zur Abschlusspräsentation am 16. September – bitte vormerken! – dürfen wir bei der Ahauser Stadtarchivarin Linda Busch in der Villa van Delden zu Gast sein.

Nähere Informationen werden wir rechtzeitig an dieser Stelle und in der Tagespresse mitteilen, also besuchen Sie uns bald wieder!

 

Dr. Volker Tschuschke

 

 

Bildunterschriften

Abb. 1: Grenzposten an der Donnerburg in Crosewick während des Ersten Weltkriegs (STAV Dep. FAHV Nr. 8977).

Abb. 2: Als Wäscheschrank getarnter Altar der zeitweilig von den Zwillbrocker Minoriten betreuten Missionsstation auf dem Hof Rietmolen bei Neede (Foto: Dr. Lena Krull).

Abb. 3: Grenzpfad und Grenzstein im Fürstenbusch in Gaxel (Fotos: Dr. Lena Krull).

Abb. 4: Bildstock bei Schmittmann-Oldenkock zwischen Oeding und Südlohn (Fotos: Dr. Lena Krull, Dr. Volker Tschuschke).

 

Heimatverein am Limit - Zeitreisen und Grenzgänge I

Das „Limit“ im Titel zielt denn auch auf etwas ganz anderes. Englisch ‚limit‘ ist abgeleitet vom lateinischen ‚limes‘, zu Deutsch ‚Grenze‘, und das ist etwas, das den Verein seit seinen Anfängen begleitet. Das zeigt schon der bei der Gründung 1926 gewählte Name „Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande“. Damals war das nichts weniger als eine Grenzüberschreitung, denn damit reklamierte der Verein die Zuständigkeit nicht nur für die Stadt Vreden, sondern auch für die seinerzeit noch selbständige Gemeinde Ammeloe. Grenzüberschreitend war der Heimat- und Altertumsverein auch Richtung Niederlande. Von Anfang an wurden die niederländischen Heimatfreunde nach Vreden eingeladen und umgekehrt standen schon in den frühen Jahren immer wieder Exkursionen in die Niederlande auf dem Programm. Daran knüpfte der Heimatverein nach dem Zweiten Weltkrieg an und bemühte sich mit Ausflügen an die Grenze (Abb. 1) um Wiederannäherung und Verständigung mit den niederländischen Nachbarn, die 1940 Opfer der deutschen Aggression geworden waren. Von daher war es nur folgerichtig, dass sich Dr. Hermann Terhalle, damals zweiter Vorsitzender, 1983/84 in zwei Aufsätzen mit der Entstehung der westfälisch-niederländischen Grenze zwischen Anholt und Gronau beschäftigte, die er bis 2008 zu einer umfangreichen Monographie ausarbeitete.

Auch in seinem Jubiläumsjahr beschäftigt sich der Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande e.V. wieder mit der Grenze. Gemeinsam mit Dr. Lena Krull von der Universität Münster, Linda Busch vom Stadtarchiv Ahaus sowie Leonie Rosing für das Stadtarchiv Stadtlohn und das Gemeindearchiv Südlohn veranstaltet der Heimatverein – vertreten durch Dr. Volker Tschuschke – aktuell das Praxisseminar „Die deutsch-niederländische Grenze als Kontakt- und Konfliktzone (19.-20. Jh.): Forschendes Lernen im Westmünsterland“. In der ersten Sitzung ging es zunächst darum, das Westmünsterland einzugrenzen und die verschiedenartigen Grenzen von der heutigen Staatsgrenze über historische Territorialgrenzen bis hin zu Sprach-, Kultur- und Landschaftsgrenzen und ihre wechselnde Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart herauszuarbeiten. Dem Konzept des forschenden Lernens folgend stand in der nächsten Stunde zunächst die Einführung in historische Handschriften auf dem Stundenplan, bevor es ad fontes, also an die Quellen ging. Anhand von originalen Dokumenten aus den beteiligten Archiven beschäftigten sich die Studierenden anschließend u.a. mit der Markierung der Grenze durch Grenzsteine, dem Bau des Zollamtes in Gaxel (Abb. 2), Grenzausweisen und dem Schmuggel. Am 10. Juli steht eine Tagesexkursion nach Vreden (Abb. 3) und Oeding auf dem Programm und für den 16. September – save the date! – ist die Abschlusspräsentation geplant. Dann stellen die Studierenden die Ergebnisse ihrer Forschungen vor. Dabei ist aber nicht an klassische Vorträge gedacht, sondern an ansprechende innovative Formate. Es wird also spannend werden – und Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!

Literaturhinweise

Eismann, Rudolf: 50 Jahre Heimatverein Vreden, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 11, Vreden 1978

Klein Reesink, Jana: Wilder Westen Westmünsterland. Schmuggel im Hauptzollamtsbezirk Vreden zur Weimarer Zeit, in: Karl von Trachenberg (Red.): Bausteine zur Vredener Geschichte. Aufsätze zum 20. Jahrhundert, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 106, Vreden 2024, S. 119-184 Terhalle, Hermann: Zur Geschichte der westfälisch-niederländischen Grenze, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 75, Vreden 2008

 

 

 

Bildunterschriften

Abb. 1: Grenzwanderung 1947 mit zwei Zöllnern (STAV Dep. FAHV Nr. 7019g).
Abb. 2: Erste Ergebnisse der Arbeit an den Quellen (Foto: Volker Tschuschke).
Abb. 3: Grenzstein im Fürstenbusch (Foto: Volker Tschuschke).

Dr. Volker Tschuschke

 

Nach der Winterspause werden demnächst wieder geführte Fahrradtouren rund um Vreden angeboten.

Die Strecken sind auch für nicht geübte Radler geeignet. Zu den Fahrradtouren sind alle eingeladen, auch Nichtmitglieder des Vereins! Eine Anmeldung dazu ist nicht erforderlich.

Es stehen verschiedene Touren zur Auswahl:

  1. Gruppe Hermann Geesink: jeweils alle 14 Tage freitags
  2. Gruppe Johannes Verwohlt und Johannes Kuhn: jeweils am 2. Samstag im Monat
  3. Frauengruppe Barbara Verwohlt und Silvia Wüpping: jeweils 1. Montag im Monat

Die genauen Termine werden in der Münsterland-Zeitung und im Vredener Anzeiger veröffentlicht.

zur Fahrradgruppe

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Hinweis auf Neuer­scheinungen

Ehrenbürger der Stadt Vreden, Dr. Hermann Terhalle

Dr. Hermann Terhalle - Ehrenbürger der Stadt Vreden

Wilhelm Elling verstorben