Heimatverein am Limit
Das „Limit“ im Titel zielt denn auch auf etwas ganz anderes. Englisch ‚limit‘ ist abgeleitet vom lateinischen ‚limes‘, zu Deutsch ‚Grenze‘, und das ist etwas, das den Verein seit seinen Anfängen begleitet. Das zeigt schon der bei der Gründung 1926 gewählte Name „Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande“. Damals war das nichts weniger als eine Grenzüberschreitung, denn damit reklamierte der Verein die Zuständigkeit nicht nur für die Stadt Vreden, sondern auch für die seinerzeit noch selbständige Gemeinde Ammeloe. Grenzüberschreitend war der Heimat- und Altertumsverein auch Richtung Niederlande. Von Anfang an wurden die niederländischen Heimatfreunde nach Vreden eingeladen und umgekehrt standen schon in den frühen Jahren immer wieder Exkursionen in die Niederlande auf dem Programm. Daran knüpfte der Heimatverein nach dem Zweiten Weltkrieg an und bemühte sich mit Ausflügen an die Grenze (Abb. 1) um Wiederannäherung und Verständigung mit den niederländischen Nachbarn, die 1940 Opfer der deutschen Aggression geworden waren. Von daher war es nur folgerichtig, dass sich Dr. Hermann Terhalle, damals zweiter Vorsitzender, 1983/84 in zwei Aufsätzen mit der Entstehung der westfälisch-niederländischen Grenze zwischen Anholt und Gronau beschäftigte, die er bis 2008 zu einer umfangreichen Monographie ausarbeitete.
Auch in seinem Jubiläumsjahr beschäftigt sich der Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande e.V. wieder mit der Grenze. Gemeinsam mit Dr. Lena Krull von der Universität Münster, Linda Busch vom Stadtarchiv Ahaus sowie Leonie Rosing für das Stadtarchiv Stadtlohn und das Gemeindearchiv Südlohn veranstaltet der Heimatverein – vertreten durch Dr. Volker Tschuschke – aktuell das Praxisseminar „Die deutsch-niederländische Grenze als Kontakt- und Konfliktzone (19.-20. Jh.):
Forschendes Lernen im Westmünsterland“. In der ersten Sitzung ging es zunächst darum, das Westmünsterland einzugrenzen und die verschiedenartigen Grenzen von der heutigen Staatsgrenze über historische Territorialgrenzen bis hin zu Sprach-, Kultur- und Landschaftsgrenzen und ihre wechselnde Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart herauszuarbeiten. Dem Konzept des forschenden Lernens folgend stand in der nächsten Stunde zunächst die Einführung in historische Handschriften auf dem Stundenplan, bevor es ad fontes, also an die Quellen ging. Anhand von originalen Dokumenten aus den beteiligten Archiven beschäftigten sich die Studierenden anschließend u.a. mit der Markierung der Grenze durch Grenzsteine, dem Bau des Zollamtes in Gaxel (Abb. 2),
Grenzausweisen und dem Schmuggel. Am 10. Juli steht eine Tagesexkursion nach Vreden (Abb. 3) und Oeding auf dem Programm und für den 16. September – save the date! – ist die Abschlusspräsentation geplant. Dann stellen die Studierenden die Ergebnisse ihrer Forschungen vor. Dabei ist aber nicht an klassische Vorträge gedacht, sondern an ansprechende innovative Formate. Es wird also spannend werden – und Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!

Literaturhinweise
Eismann, Rudolf: 50 Jahre Heimatverein Vreden, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 11, Vreden 1978
Klein Reesink, Jana: Wilder Westen Westmünsterland. Schmuggel im Hauptzollamtsbezirk Vreden zur Weimarer Zeit, in: Karl von Trachenberg (Red.): Bausteine zur Vredener Geschichte. Aufsätze zum 20. Jahrhundert, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 106, Vreden 2024, S. 119-184 Terhalle, Hermann: Zur Geschichte der westfälisch-niederländischen Grenze, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 75, Vreden 2008
Bildunterschriften
Abb. 1: Grenzwanderung 1947 mit zwei Zöllnern (STAV Dep. FAHV Nr. 7019g).
Abb. 2: Erste Ergebnisse der Arbeit an den Quellen (Foto: Volker Tschuschke).
Abb. 3: Grenzstein im Fürstenbusch (Foto: Volker Tschuschke).
Dr. Volker Tschuschke