Ausgrabungen in Vreden faszinieren Archäologen

 

Windmühlentor


Viel Aufmerksamkeit erregten im Frühsommer 2018 Ausgrabungen, die aufgrund von Bauarbeiten im Bereich des Windmühlentors durchgeführt wurden. Hier wurden die Fundamente des ehemaligen Windmühlentors von Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und mit Unterstützung des Heimat- und Altertumsvereins der Vredener Lande e.V. freigelegt und untersucht.

 

 

 

 

 

Blick von Westen auf die Grabungsfläche des Windmühlentors. In der Bildmitte ist die Nordwand des Tors gut zu erkennen, rechts davon die frühere Durchfahrt mit der Stützwand zum Stadtgraben. Die Südwand konnte nicht untersucht werden, da diverse Leitungen, Rohre und Kabel in diesem Bereich liegen.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen / Birgit Grundmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Stadt Vreden hatte dankenswerter Weise schon weit im Vorfeld der anstehenden Kanalbau-maßnahmen mit der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster Kontakt aufgenommen, um einen Zeitplan für die erforderlichen Grabungen und Untersuchungen des Bodendenkmals abzustimmen.


Die Geschichte des Windmühlentors beginnt um das Jahr 1330 herum. Eine Darstellung aus dem Jahr 1806 zeigt, wie das Stadttor ausgesehen hat. Die Zeichnung zeigt mehrere Geschosse und einen Dachboden und darunter eine enge Durchfahrt. 1854 wurde dieses Tor abgerissen. Nur die Fundamente verblieben im Boden.

 

 


Plan zum Umbau des Windmühlentors von 1806. Veröffentlicht in: Hans de Beukelaer (Hrsg.): Wundersame Zeiten / Wonderbaarlijke Tijden – Herrschaftswechsel im Achterhoek/Westmünsterland zwischen 1795 und 1816, Vreden/Borken 2004

 

 

 

 

Auch die Fachwelt interessierte sich für die Ausgrabungen in Vreden. So berichtete die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ in der Ausgabe 05/2018 über die Ausgrabungen am Windmühlentor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vredener Burg

Aufgrund von Baumaßnahmen im Bereich des Vredener Rathaus erfolgten im Sommer 2019 weitere Ausgrabungen durch Archäologen des LWL mit Unterstützung durch den Heimat- und Altertums-verein der Vredener Lande e.V.

Die Möglichkeit eines geschichtlich interessanten Bodenfundes, der zur ehemaligen fürstbischöflichen Burg gehört, war an dieser Stelle sehr wahrscheinlich, sodass auch hier die Vredener Stadtverwaltung bereits weit im Vorfeld zu den geplanten Baumaßnahmen die Abstimmungsgespräche mit den LWL-Archäologen führte.

 


Zeichnung: Grabungsplan Burg – Rathaus Vreden

 

 

 

 

Wo heute das barocke Herrenhaus als Teil des Vredener Rathauses steht, befand sich bis 1699 die bischöfliche Burg. In diesem Bereich legten die Archäologen Fundamente eines alten Burgturms frei. Dieser Turm war im Grundriss 6,5 x 7,5 m groß und war Teil der ehemaligen Burg, die ab 1398 in mehreren rasch aufeinander folgenden Abschnitten errichtet wurde.

 

 

 

 


Zeichnung; Burg Vreden im Jahr 1608 von Osten gesehen. Veröffentlicht in: Hermann Terhalle: Quellen und Studien zur Geschichte Vredens und seiner Umgebung II, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Band 43, Vreden 1999, S. 122

 

 

Das Baujahr des Turms kann somit um das Jahr 1400 geschätzt werden. Die Ausgrabungen zeigten auch, dass sich mehrere senkrechte Setzungsrisse durch das Mauerwerk zogen. Dieses hatte zur Folge, dass die nordwestliche Wand des Turms extrem schief stand. Es wird vermutete, dass das Fundament im sandigen Untergrund einseitig eingesackt ist und sich in der Folge zum Wassergraben neigte. Berechnungen ergaben eine Neigung von 5,7 Grad! Dieses erklärt auch, warum der Turm in der Zeichnung von 1608 als „der schieve Thorn“ bezeichnet wurde.

 

Blick auf die Fundamente des „schiefen Turm“ während der Ausgrabung im Sommer 2019. Foto: Münsterland-Zeitung, Victoria Thünte

 

 


Auch über diese Grabungen berichtete die Fachzeitschrift „Archäologie in Deutschland“ in der Ausgabe 06/2019